Wie alles begann? Ein recht langes Thema. Es ging los als wir erstmals uns das Ganze ansahen, uns dann ansahen und fanden: Ja, das könnte es sein.

Eine Portion Selbstüberschätzung, Optimismus und Lust aufs Unbekannte waren vorhanden,komplett Verrückt-sein nicht Bedingung aber hilfreich.

Wir wollen dem geneigten Leser die intensive Phase des Maikäferns (Sollen wir? Sollen wir nicht?) in den Einzelheiten ersparen. Wir rangen uns zur ersten Möglichkeit durch und nach kafkaesken administrativen Formalitäten wurden wir zu Grundbesitzern von etwa 900 qm seit 20 Jahren dem Verfall ausgesetzen Gebäuden sowie etwa 5.000 qm Land drumrum.
Ab dann verbrachten wir, damals noch in Madrid unserer geregelten Angestelltentätigkeit am Flughafen nachgehend, die Wochenenden am Pazo, um mit Hacken, Sägen, Brushcuttern und Äxten einem von uns noch nie gesehenen Volumen wildgewordener Vegetation zu trotzen. Etwa 60 laufende Meter der Fassade waren so zugewachsen, dass man vom Gebäude selbst auf kürzeste Distanz nichts, aber auch gar nichts sah. Zur Veranschaulichung das Bild unten: Die Ansicht von Westen, das Gebäude zieht sich durch zwei Drittel des Bildes.

Im Mai 2007 schliesslich zogen wir in ein kleines gemietetes Haus, etwa 500 Meter vom Pazo entfernt. Wir sind schon wirklich oft umgezogen, und die entsprechende Wohnungssuche, sei es in Madrid, Lissabon, Frankfurt oder sonstwo war immer eine recht langwierige Angelegenheit, da wir immer recht klare Vorstellungen hatten, was wir so suchten. Die Suche in Maceda hatte im Gegensatz zu früheren Suchexpeditionen nur drei Kriterien: Bezahlbar, nicht an einer Hauptverkehrsstrasse und nah am Pazo. Das einzige verfügbare Angebot erfüllte diese Kritierien. Und nur diese.

In San Agustín de Guadalix hatten wir recht kommod in einem etwa 5 Jahre alten Einfamilienhaus, Teil einer gutbürgerlichen Reihenhaussiedlung, gewohnt. Da wir recht viel Hausrat haben, war der Umzug mit unserem geschätzten Ford Transit bestenfalls in 10 Fahrten zu bewältigen, weshalb wir einen Umzugsunternehmer beauftragten. Der Chef selbst kam vorbei, und taxierte das Volumen ohne Stift oder Rechner innerhalb von Minuten erstaunlich exakt auf einen Sattelschlepper.

Seine Leute zerlegten und verluden unser liebevoll eingerichtetes Heim innerhalb eines Tages, und fuhren damit davon. Angekommen in Maceda trauten die Packer und deren Chef sichtlich ihren Augen nicht, das Wohnniveau war um gute 10 Punkte auf der nach unten offenen Maklerskala gefallen: Im Einfahrtsbereich ein stechend stinkender Hundezwinger mit ca. 15 Jagdhunden drin, direkt vor der Haustür ein heruntergekommenes, an dem Platze reichlich unmotiviert wirkendes Schwimmbecken voller grün-brauner Flüssigkeit und dahinter ein mit herabfallenden Kacheln geschmücktes, kleines Betonplatten-Fertighaus ohne Garten.

Der Hundezwinger ist -Gott sei es gedankt- hinreichend entfernt, um nur die Luft der Besitzer (und die der bedauernswerten Hunde) und nicht unsere zu verpesten. Den Moskito-Hochleistungs-Reaktor in Form des Schwimmbeckens haben wir abgelassen, er wurde nicht schöner aber ärmer an Stechmücken.

Aber wir sind ja nicht hergekommen um zu jammern, sondern um ein wie wir finden wirklich bemerkenswert schönes Gesamt-Ensemble aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Also legten wir los, Kostenvoranschläge für 900 m2 Dach einholen, Baugenehmigung, Pläne vom Architekten, OK der Denkmalschutzbehörde, (letztlich vergebliche) seitenlange Anträge auf Subventionen.

Die meisten Bauunternehmer scheuten entweder zurück (will sagen: sie stellten sich nach Mitnahme der Pläne und aller Informationen einfach tot) oder aber es wurden Preise abgegeben, die auch noch eine kleine hochseetüchtige Yacht mitfinanziert hätten.

Schliesslich fanden wir aber jemanden, der fair rechnete und sich bis heute auch fair verhält. Und mit ihm, bzw. hauptsächlich mit zweien seiner Leute bosselten wir von Februar 2008  drei Jahre bauend und räumend herum. Da Projekte wie dieses immer dreimal so komplex aufallen wie befürchtet bosseln wir seit dem Frühjahr 2011 alleine, von kurzen Einsätzen der Elektriker bzw. Klempner abgesehen. Zumindest unser Handwerker-knowhow profitiert (hoffentlich) davon. Die Ergebnisse kann man sich in der kleinen Fotogalerie ansehen, siehe linker Hand im Menü "Bilder vom Bau".

Daraus werden soll folgendes: Einerseits unser Wohnhaus, andererseits eine so genannte Casa Rural, auf Deutsch in diesem Falle wohl ein historisches Gebäude mit Übernachtungsmöglichkeit. Und auch wenn es nicht den Anschein hat: Wir freuen uns über jeden Besuch, und sind auch in der Lage ihn unterzubringen!

FaLang translation system by Faboba